Willkommen auf DROGENABHäNGIGKEIT.DE

drogenabhängigkeit.de bietet Ihnen weiterführende Links auf Webseiten zum Thema Drogenabhängigkeit

Startseite > Droge (Pharmazie)

'''Drogen''' oder '''Arzneidrogen''' sind haltbar gemachte Teile von Pflanzen, Pilzen, Tieren oder Mikroorganismen und werden meist zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet. Sie werden gewöhnlich durch Trocknung haltbar gemacht. Auch bestimmte biologische Substrate ohne zelluläre Struktur wie etwa Wachse und Harze und andere Abscheidungsprodukte werden zu den Drogen gerechnet. Heutzutage sind pharmazeutische Drogen größtenteils pflanzlicher Natur.

Drogen werden als natürliche Rohstoffe für die Gewinnung arzneilich wirksamer Inhaltsstoffe sowie auch als Hilfsstoffe in der Arzneimittelherstellung genutzt. Isolierte, chemisch definierte Arzneistoffe biologischen Ursprungs nennt man biogene Arzneistoffe. Die ''Lehre von den Drogen (Drogenkunde, Pharmakognosie)'' ist ein Teilgebiet der pharmazeutischen Biologie

Ein die abendländische Pharmazie, der bereits im frühen Mittelalter auch orientalische Drogen

Begriffsabgrenzung und Etymologie

Der Begriff ?Droge? bezeichnet durch Trocknung haltbar und verwertbar gemachte heilkräftige Pflanzen (''Drogenpflanze'', Heilpflanze) oder Pflanzenteile und wurde zum Synonym für Spezerei, Gewürz, Apothekerware und anderes. Im allgemeinen heutigen Sprachgebrauch wird der Begriff ?Droge? auch ? verkürzend für Rauschdroge ? verwendet, um eine Substanz oder deren Zubereitungen zu bezeichnen, die durch Menschen zur Erzeugung eines Rauschzustandes oder zur Befriedigung ? im Falle einer Abhängigkeit ? verwendet werden.

''Droge'' wurde um 1600 aus , abgerufen am 21. März 2012</ref>

Einteilung der Drogen mit Beispielen

In den folgenden Beispielen sind kursiv in Klammern die (neuen) lateinischen offizinellen Bezeichnungen der Drogen angegeben. In der ursprünglichen (alten) lateinischen Drogenbezeichnung war die Drogenart (häufig im Plural) dem Genitiv der Stammpflanze vorangestellt (z.?B. ''Flores tiliae'', ''Folia sennae'', ''Fructus foeniculi''). Da bei Teedrogen eine alphabetische Sortierung nach Stammpflanzen wichtiger ist als die Drogenart, wird bei pflanzlichen Drogen in der neuen lateinischen Bezeichnung die Stammpflanze nach vorn gezogen und als zusätzliche Vereinfachung die Drogenart generell im Singular verwendet (z.?B. ''Tiliae flos'', ''Sennae folium'', ''Foeniculi fructus''). Bei nichtpflanzlichen Drogen (z.?B. ''Adeps lanae'', ''Lichen islandicus'', ''Cera alba'') wurden zumeist die alten Bezeichnungen beibehalten. Zudem bestehen wie allgemein für Arzneimittel und Heilkräuter auch volkstümliche Bezeichnungen für Drogen.

Pflanzliche Drogen

Bei den pflanzlichen Drogen unterscheidet man pflanzenmorphologisch in Blüten-, Blatt-, Frucht-, Kraut-, Rhizom-, Rinden-, Samen-, und Wurzeldrogen.

Beispiele für bekannte Drogen:
Lindenblüten (''Tiliae flos''), Kamillenblüten (''Matricariae flos''), Wollblumen (''Verbasci flos''), Ginkgo biloba-Blätter (''Ginkgo folium''), Sennesblätter (''Sennae folium''), Sennesfrüchte (''Sennae fructus acutifoliae'', ''Sennae fructus angustifoliae''), Fenchel (''Foeniculi fructus''), Keuschlammfrüchte (''Agni casti fructus''), Eichenrinde (''Quercus cortex''), Weidenrinde (''Salicis cortex''), Echtes Johanniskraut (''Hyperici herba''), Mistelkraut (''Visci herba''), Spitzwegerichkraut (''Plantaginis lanceolatae herba''), Spitzwegerichblätter (''Plantaginis lanceloatae folium''), Flohsamenschalen (''Plantaginis ovatae testa''), Süßholzwurzel (''Liquiritiae radix''), Primelwurzel (''Primulae radix''), Südafrikanische Teufelskrallenwurzel (''Harpagophyti radix'');
? ''weitere Beispiele im Artikel Heilpflanze''

Des Weiteren gibt es pflanzliche Drogen ohne zelluläre Struktur wie beispielsweise Arabisches Gummi (''Gummi arabicum ''), Traganth, Myrrhe, Perubalsam (''Balsamum peruvianum'') oder Rohopium.

Drogen aus Pilzen

Beispiele: Isländisches Moos (''Lichen islandicus''), Medizinische Hefe (''Faex medicinalis''),
Trockenhefe aus Saccharomyces cerevisiae HANSEN CBS 5926

Drogen tierischen Ursprungs

Drogen tierischer Natur mit zellulärer Struktur haben kaum noch pharmazeutische Bedeutung, werden jedoch noch für homöopathische Zubereitungen verwendet. Beispiele für solche Tierdrogen: Medizinischer Blutegel (''Hirudo medicinalis''), Cochenilleschildlaus (''Dactylopius coccus''), Honigbiene (''Apis mellifera'').

Drogen tierischen Ursprungs ohne zelluläre Struktur sind beispielsweise: Bienengift (''Apisinum''), Bienenkittharz (''Propolis''), Bienenwachs (''Cera alba''), Catgut, Lebertran (''Jecoris aselli oleum''), Ochsengalle (''Fel tauri''), Schellack (''Lacca in tabulis''), Schlangengift (''Lachesis''), Schweineschmalz (''Adeps suillus''), Walrat (''Cetaceum''), Wollwachs (''Adeps lanae'').

Drogengruppen nach Inhaltsstoffen

Eine andere Klassifizierung der Drogen ist die Einteilung nach der chemischen Natur der wirksamen Inhaltsstoffe in Alkaloid-, Ätherischöl-, Bitterstoff-, Gerbstoff-, Glycosid-, Saponin- und Schleimstoffdrogen.

Drogengruppen nach Verwendung

Psychogene Drogen werden als ''Rauschdrogen'', in der Umgangssprache auch kurz ?Drogen?, bezeichnet. Drogen in der Heilkunde, deren Wirkung magischen oder religiösen Prinzipien zugeschrieben wurde als ''Wunderdrogen''.

Bildergalerie gebräuchlicher Drogen

<gallery>
Datei:Kamillenblüten.jpg|Kamillenblüten ''(Matricariae flos)''
Datei:Dried lavender.jpg|Lavendelblüten ''(Lavandulae flos)''
Datei:Hibiscus sabdariffa dried.jpg|Hibiskusblüten ''(Hibisci flos)''
Datei:Silybi Mariani Fructus.JPG|Mariendistelfrüchte ''(Cardui mariae fructus)''
Datei:Fennel-seeds.jpg|Fenchelfrüchte ''(Foeniculi fructus)''
Datei:Krapp 3.JPG|Krappwurzel ''(Rubiae tinctorum radix)''
Datei:Liquiritiae radix suessholzwurzel.jpg|Süßholzwurzel ''(Liquiritiae radix)''
Datei:Baldrianwurzel getrocknet.JPG|Baldrianwurzel ''(Valerianae radix)''
Datei:Island moos getrocknet.jpg|Isländisches Moos ''(Lichen islandicus)''
Datei:Gummi Arabicum Pulver.jpg|Arabisches Gummi, pulverisiert ''(Gummi arabicum)''
Datei:Schellack Astra.jpg|Schellack ''(Lacca in tabulis) ''
</gallery>

Herstellung und Gebrauchsformen

Drogen können aus Wildbeständen oder aus in Deutschland nicht erlaubt ist.

Drogen müssen trocken und vor Licht geschützt gelagert werden.

Qualität

Als Arzneistoffe oder Arzneimittel unterliegen Drogen besonderen Qualitätsanforderungen, die sich in entsprechenden Standards niederschlagen und weitgehend in den Monografien der Arzneibücher oder anderen Sammlungen wie etwa dem Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) festgelegt sind. Gemäß Apothekenbetriebsordnung dürfen in der Rezeptur und Defektur nur Ausgangsstoffe verwendet werden, deren ordnungsgemäße Qualität festgestellt und dokumentiert ist. Für Fertigarzneimittel, die Drogen oder Drogenzubereitungen enthalten, hat der pharmazeutische Unternehmer die Sicherstellung einer einwandfreien und standardisierten Qualität im Arzneimittelzulassungsverfahren zu belegen.

Spezifikation

Neben der obligatorischen Identitätsprüfung zum Ausschluss von Verwechslungen werden an Drogen verschiedene Reinheitsprüfungen durchgeführt. Allgemeine Tests sind die Ermittlung fremder Bestandteile, des Aschegehaltes und des Trocknungsverlustes. Aus toxikologischer Sicht sind Prüfungen auf Pestizidrückstände, Schwermetalle, mikrobielle Verunreinigung und gegebenenfalls auf Schimmelpilzgifte und radioaktive Isotope bedeutsam. Je nach Inhaltsstoffen sind charakteristische Wertbestimmungen wie Bestimmung des Bitterwertes, der Quellungszahl, der Verseifungszahl oder biologischer Aktivitäten (z.?B. hämolytische Aktivität) durchzuführen. Auch spezifische Gehaltsbestimmungen können Bestandteil der Prüfvorschrift sein, um den Mindestgehalt an wirksamen Stoffen sicherzustellen.<ref name="EP1433" />

Drogen mit stark wirksamen Inhaltsstoffen und geringer therapeutischer Breite (Alkaloide, Herzglykoside, Anthraglykoside) werden als Pulver oder Extrakt mit einem normierten Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen in der Arzneimittelherstellung verwendet, wobei zusätzlich zum Mindestgehalt auch eine Obergrenze vorgeschrieben ist, um Vergiftungen durch eine versehentliche Überdosierung zu vermeiden.

Durch die Standardisierung unterscheiden sich Arzneidrogen von Teepflanzen, die in Lebens- und Genussmitteln verwendet werden.

Drogen der TCM

Mit dem Einzug der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) in Europa wurde die Qualitätskontrolle von Drogen vor neue Herausforderungen gestellt. Nicht bekannte Stammpflanzen und unleserliche Beschriftungen führten zu Verwechselungen von TCM-Drogen, und die Presse berichtete über Schwermetallbelastung, Kontamination mit Schimmelpilzgiften und Pestiziden, bedenkliche Mengen toxischer Inhaltsstoffe (Aristolochiasäuren) und über Zusätze synthetischer Stoffe.

Auf behördlicher Ebene erarbeiten die Deutsche Arzneibuch-Kommission am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und die Europäische Arzneibuch-Kommission Monografien für das Deutsche und das Europäische Arzneibuch.

Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) betreibt in Bayern Anbauversuche für diverse TCM-Drogen, von denen einige mittlerweile im Handel erhältlich sind. Durch den kontrollierten Anbau sind Risiken wie Verwechslungen und die beschriebenen Verunreinigungen vermeidbar.

Verwendung

Zelluläre Drogen werden wegen ihres hohen Gerüststoffanteils fast immer als Auszug angewendet.

Arzneitee

Die einfachste Form des Auszugs ist die Teebereitung: dazu wird die grob oder fein geschnittene Teedroge durch Abkochung (Dekokt), Aufguss oder Kaltansatz (Mazeration) mit Wasser zu einem Getränk verarbeitet.<ref name="EP1435">''Europäisches Arzneibuch, 6. Ausgabe.'' Deutscher Apotheker Verlag, 2008, ISBN 978-3-7692-3962-1, S. 1435.</ref> Bei bestimmten Drogen, wie den Früchten der Doldenblütler, ist es üblich, sie unmittelbar vor der Anwendung ?anzustoßen? (d.?h. etwas zu ''quetschen''), damit sie ihre Wirkstoffe besser freisetzen. Drogen für die Teebereitung (Arzneitee) werden als lose Ware oder portioniert in Teefilterbeuteln in den Verkehr gebracht. Je nach Indikation werden Einzeldrogen oder Drogenmischungen (Teemischung, lat. '''''Species''''') verwendet.

Neben der innerlichen Anwendung als Tee kommen die klassischen Teedrogen bzw. ihre Auszüge ? teilweise in traditioneller Überlieferung als Hausmittel ? in Form von Umschlägen, Spülungen, Wickeln, Bädern und Kräuterkissen auch äußerlich zur Anwendung.

Phytopharmaka

Drogenzubereitungen werden durch Verfahren wie Pulverisierung, Extraktion, Pressung, Destillation, auch in Kombination mit Fermentation, Fraktionierung, Anreicherung und Reinigung aus Drogen hergestellt. In der verfahrenstechnischen Herstellung von Auszügen werden neben Wasser ferner organische Extraktionsmittel wie etwa niedere Alkohole verwendet, wodurch lipophile Stoffe besser ausgezogen werden. Es entstehen Tinkturen, ätherische Öle, Presssäfte, Flüssig-, Dick- und Trockenextrakte, die teilweise direkt angewendet werden können, häufiger aber industriell weiter verarbeitet werden zu den verschiedensten arzneilichen Darreichungsformen (Phytopharmaka).

Hilfsstoff

Manche Pflanzendrogen werden den Arzneitees nicht zwecks arzneilicher Wirkung, sondern zur Verbesserung von Geschmack oder Aussehen (?Schmuckdroge?) zugesetzt. Nichtzelluläre Drogen werden zudem auch als pharmazeutische Hilfsstoffe verwendet, wie etwa Gummi arabicum, Bienenwachs oder Wollwachs.

Verschreibungspflicht

Bestimmte Drogen oder Drogenzubereitungen sind ? abgesehen teilweise von entsprechenden homöopathischen Verdünnungen oder einer äußerlichen Anwendung ? </ref>

Siehe auch

Literatur

  • Otto Beßler: ''Die Identifikation mittelalterlicher Drogen und Arzneipflanzen.'' Stuttgart 1958 (= ''Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie.'' Neue Folge, 13).
  • T. Dingermann, Karl Hiller, G. Schneider, I. Zündorf: ''Schneider Arzneidrogen.'' 5. Auflage. Elsevier, 2004. ISBN 3-8274-1481-4.
  • Karl Hiller, Matthias F. Melzig: ''Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen.'' 2 Bände, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/ Berlin 1999; 2. Auflage ebenda 2010, ISBN 978-3-8274-2053-4.
  • H. Rimpler (Hrsg.): ''Biogene Arzneistoffe.'' 2., neu bearb. Auflage. Dt. Apotheker-Verlag, 1999. ISBN 3-7692-2413-2
  • E. Teuscher: ''Biogene Arzneimittel.'' 5. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1997. ISBN 3-8047-1482-X
  • E. Teuscher: ''Gewürzdrogen ? Ein Handbuch der Gewürze, Gewürzkräuter, Gewürzmischungen und ihrer ätherischen Öle -.'' Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2003. ISBN 3-8047-1867-1
  • Max Wichtl (Hrsg.): ''Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage''. 5. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8047-2369-6
  • Otto Ziegler, Artur Petzold: ''Drogenkunde.'' Verlagsgesellschaft R. Müller, Eberswalde 1929. Nachdruck im Reprint-Verlag, Leipzig 2002. ISBN 3-8262-2601-1

Weblinks

Einzelnachweise